Rügens (teu-)erste Adresse

Nach knapp einem Jahr Bauzeit hat das Strandschloss in Binz eröffnet. Es ist der wohl exklusivste Standort Rügens — mit den teuersten Personalumkleiden. Ein Penthouse dort kostet 1,3 Millionen Euro.

Binz (OZ) - „Hauptstraße 25, 18609 Binz“ — auf den ersten Blick wirkt diese Anschrift absolut unspektakulär. Eine Adresse, wie es sie in Deutschland Millionen-fach gibt. Doch in diesem Fall trügt der Schein gewaltig: Hinter der so profan wirkenden Ortsangabe verbirgt sich der wohl exklusivste Standort der ganzen Insel: das neue Strandschloss direkt an der Binzer Seebrücke. Seit wenigen Tagen ist der Neubau fertig. Er gilt als Rügens neue erste Adresse — vor allem auch als teuerste. An der ganzen Ostseeküste.
Denn allein die Lage macht das Strandschloss zu etwas ganz Besonderem: Direkt am Seebrückenvorplatz liegt es. Dort, wo in Binz alle Fäden zusammenlaufen. Wer zur Brücke will oder zum Bummel entlang der Hauptstraße, wer vom Strand kommt oder vom Kurplatz muss am Strandschloss vorbei. Das macht den Bau so exklusiv, der in nur elf Monaten auf der Stelle des abgerissenen Hauses „Orplid“ steht.

Sieben Millionen Euro hat der Investor, die WSP Vermögensverwaltungs GmbH aus Heide in Schleswig-Holstein, für den Bau bezahlt. Diese Summe dürfte das Haus aber schon jetzt — noch vor der offiziellen Eröffnung — wieder eingespielt haben. Und das allein aus dem Verkauf von Wohnungen.

Sieben Wohnungen gibt es insgesamt. Allesamt mit dem traumhaften Blick auf das Meer, auf die Seebrücke und den sommerlichen Trubel des größten Rügener Seebades. Auf Wunsch auch mit Kamin.

Wer sich diesen Luxus gönnen wollte, musste tief in die Tasche greifen: Pro Quadratmeter waren mehr als 10 000 Euro fällig. Anders formuliert: Selbst für die kleinste Eigentumswohnung mit „nur“ 57 Quadratmetern waren rund 600 000 Euro fällig. Die großen, luxoriösen Penthouse-Wohnungen kosteten sogar knapp 1,5 Millionen Euro. Probleme, den noblen und ebenso teuren Wohnraum an den gut betuchten Mann (oder die gut betuchte Frau) zu bringen, gab es nicht: „Alle sieben Wohnungen sind verkauft“, sagt Josef Dobler.

Der ehemalige Starkoch managt für die WSP Betriebs GmbH den Bau in Binz — und allen voran die Filiale des wohl bekanntesten Mieters. Im Erdgeschoss, mit exklusiven Sitzplätzen direkt am Platz, hat schon vor einigen Tagen der Sylter Edel-Fisch-Händler Gosch seine neueste Depandance eröffnet. „Wir haben einen 1A- Standort gesucht — und gefunden. Das Strandschloss ist ein Sechser im Lotto“, schwärmt Dobler. Meeresblick, Strand-Flair: Genau das brauche Gosch. „Wir wollen Lockerheit, Leichtigkeit, gute Laune und gute Gastronomie bieten.“ Das ließ sich auch Gosch einiges kosten: Das Restaurant besitzt die wohl teuersten Personal-Umkleiden im ganzen Land — im ersten Stock, mit Blick auf das Meer. Wie gesagt: Für 10 000 Euro je Quadratmeter. Gosch werte Binz auf, sagte jüngst auch Kurdirektor Horst Graf der OZ. „Das ist ein echter Gewinn für unseren Ort.“ Einziges Manko: Auf den Servietten, am Eingang, auf den Speisekarten — überall ist „Sylt“ und nicht „Rügen“ zu lesen. Für Dobler kein Beinbruch: „Gosch Sylt“ sei eine eingetragene Marke. Aber: „Gosch wollte von Sylt nach Rügen — das ist doch auch was.“ 15 Leute wirbeln in dem maritimen Restaurant. Allesamt haben ganzjährige Verträge. „Wir zahlen sogar mehr als andere. Dafür erwarten wir aber, dass unsere Mitarbeiter das Gosch-Gefühl leben.“ Dieses Gefühl macht vor allem die kulinarische Vielfalt aus: Das Fischbrötchen auf die Hand (ab zwei Euro) gibt es bei Gosch ebenso wie den Hummer mit Nordseekrabben (zwölf Euro), „Fish & Chips“ (4,50 Euro) oder den edlen Weißwein (die Flasche ab 10,50 Euro).

Die noblen Ladenzeile teilt sich Gosch übrigens mit dem Bekleidungsgeschäft „Shark‘s“, das zur Rohloff-Gruppe aus Bergen gehört, und mit einer Filiale des Juweliers Kintzel. Allesamt an Rügens (teu-)erster Adresse.

ANDREAS MEYER OZ - Link zum Beitrag